Heute, am ersten Arbeitstag im neuen Jahr, wünschen sich viele Leute ein „Gesundes neues…“ – Wenn’s ganz schnell gehen soll, lässt man „Jahr“ gleich weg, denn es weiß ja jeder sowieso, was gemeint ist. Mir drängt sich dabei ganz oft das Gefühl auf, dass das nur so dahingesagt ist (natürlich nicht von jedem), weil man es eben so sagt. Manche sagen oder wünschen auch: „Hauptsache gesund!“ – Aber ist das wirklich die Hauptsache? Ist das wirklich alles, gesund zu sein? – Was machen Menschen, die chronisch krank sind, die keine Hoffnung auf Heilung haben, die mit ihrer Krankheit leben müssen?

Ich bin dabei auf ein Interview mit Manfred Lütz auf Welt online gestoßen. Es geht darin darum, dass Gesundheit für viele wie eine Ersatzreligion geworden ist. Folgende provokative Sätze sind mir aus dem Herzen gesprochen, wobei ich statt „Frechheit“ wohl lieber „Gedankenlosigkeit“ sagen würde.

Wenn man aller Welt ein „gesundes Neues Jahr“ wünscht, dann ist das für chronisch Kranke eine Frechheit. Das Gleiche gilt für den Ausruf: „Hauptsache gesund!“ Eine Leserin meines Buches „Lebenslust“, die von Geburt an herzkrank ist, hat sich bei mir bedankt. Wenn der gedankenlose Spruch „Hauptsache gesund“ stimmen würde, dann hätte sie in ihrem Leben ja nie die Hauptsache erleben können. Doch sie freue sich ihres Lebens. Weihnachten ist eine sehr gute Gelegenheit dafür, sich zu überlegen, was wirklich wichtig ist im Leben. Mancher Krebspatient lebt intensiver und sinnvoller als jemand, der mit normalen Laborwerten durch sein Leben hechtet und am Ende gar nicht weiß, was er eigentlich gemacht hat.

Das Buch „Lebenslust“ ist auf meiner Bücher-zu-Lesen-Liste gelandet.

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