Pünktlich alle 2 Jahre im September – manchmal auch Oktober – bekomme ich eine Karte von meinem Klavierstimmer, die mich daran erinnert, dass für mein Klavier wieder eine Stimmung fällig ist – gleich mit einem Terminvorschlag, den dann nur noch bestätigen muss.

Eigentlich hörte sich mein Klavier noch gar nicht verstimmt an, aber da ich weiß, dass auch ein Klavier Pflege braucht (nicht nur Staub wischen), nahm ich den Terminvorschlag gern an. An dem vereinbarten Tag kam der freundliche Herr und für knapp zwei Stunden hörte man aus dem Wohnzimmer Töne, die das Ohr nicht gerade erfreuen: Halbtöne rauf und runter, Oktaven und Dreiklänge… aber ich hatte meine Nachbarn schon vorgewarnt.

Er meinte, dass Klavier wäre nicht sehr verstimmt gewesen, nur im unteren Bereich hätten die Oktaven ein bisschen „geeiert“ und bei den ganz hohen Tönen (die man schon fast nicht mehr als Töne wahrnehmen kann) käme es besonders auf eine gute Stimmung an. Nach der Hälfte seiner Arbeitszeit nahm er auch gern eine Tasse Kaffee an, um die Ohren zu erholen und da hält er auch gern ein kleines Schwätzchen mit seiner Kundin – und die findet das auch ganz nett 🙂

Nach getaner Arbeit probierte ich mein frisch gestimmtes Instrument aus und staunte: Da war wirklich ein Unterschied zu hören!! Es war eine wohltuende Harmonie und Brillanz in den Tönen. Es machte einfach noch mal so viel Spaß zu spielen!

Wir Menschen sind ja auch manchmal „verstimmt“. Manchmal hört das die Umwelt, manchmal können wir es gut verbergen und trotzdem die Fassade wahren. Aber es tut auch uns gut, ab und zu – möglichst in nicht zu großen Abständen -, den „Stimmer“ ans Werk zu lassen. Gott sieht in unser Herz, wenn wir ihn lassen. Er hört sofort, was schief klingt, auch wenn wir selbst es gar nicht wahrnehmen. Wenn wir uns seinem liebevollen Wirken aussetzen, stimmt er die Saiten unseres Herzen so, dass wir ein wirklicher Wohlklang sind. Das ist dann auch zu hören und zu merken – auch von anderen!

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